Blog

Was hat Pecha Kucha mit einem verregneten Nachmittag zu tun?

In fünf Schritten ungestört das Wesentliche erarbeiten

Nie wieder eine langweilige PowerPoint Präsenation

Nie wieder eine langweilige PowerPoint Präsenation

Sonntagnachmittag, es regnet in Strömen. Das beste Wetter, um meinen anstehenden Vortrag vorzubereiten. Ich wurde gebeten über die Präsentationsart Pecha Kucha zu sprechen. Nun sitze ich - ausgerüstet mit einem Blog, meinem Lieblingsfüller, jede Menge Klebezettel und meinem Flipchart - in meinem Arbeitszimmer. Laptop und Mobiltelefon sind ausgeschaltet.

Erster Schritt: Brainstorming

Bei meinen Recherchen hatte ich herausgefunden, dass PowerPoint im Jahr 1987 von Robert Gaskin und Denis Austin im Silicon Valley entwickelt wurde. Was für ein Zufall, in diesem Jahr begann ich meine berufliche Laufbahn. Ich arbeitete damals für einen Sanitärkeramikhersteller, der zu einem französischen Konzern gehörte. Sobald die Franzosen einen Besuch angekündigt hatten, lag die Tagesarbeit in meiner Abteilung und vielen anderen still. Stattdessen wurden Zahlen, Daten und Fakten für Produktgruppen, Farben, Serien und vieles mehr zusammengetragen und Entwicklungen wurden mit Hilfe von Balken- und Tortendiagrammen dargestellt. Ich gebe zu, ich habe das nicht besonders gerne gemacht, aber die Erinnerung daran hat mich in diese Zeit zurückgeführt. In dieser Prä-Internet-Zeit wurden Zahlen, Daten und Fakten mehr Aufmerksamkeit zugestanden, denn die Informationsflut kannten wir damals noch nicht. Deshalb war es bei den Präsentationen damals so wichtig, viele Informationen zu liefern, was oft in Folien-Schlachten ausuferte.

Mittlerweile habe ich meine Ideen auf gelbe Zetteln geschrieben und am Flipchart verteilt. Ich ergänze meine Sammlung um weitere Punkte wie:

Arbeit am Flipchart

Arbeit am Flipchart

  • Beispiel mit zu viel Text
  • Mit dem Rücken zum Publikum stehen und vorlesen
  • Folien aus anderen Präsentationen einarbeiten, weil die Zeit für eigene Ideen fehlt
  • Ausuferndes Corporate Design
  • Aufnahmefähigkeit
  • Geschichten
  • etc.

Wir neigen dazu gerne viel zu sagen, deshalb ist es wichtig, in einem Brainstorming alles zu dokumentieren.

Der beste Weg, gute Ideen zu erhalten, besteht darin, möglichst viele Ideen zu produzieren.
— Linus Pauling (Nobelpreisträger Chemie)

Jetzt stehe ich vor meinem Flipchart und trete einen Schritt zurück. Ich verschaffe mir einen Überblick aus der Distanz. 

Zweiter Schritt: Ähnliche Ideen zusammenfassen und Kernaussagen finden

Ähnliche Karten aus meiner Ideensammlung fasse ich unter einer Überschrift zusammen. Ich mache mir Gedanken zu den Kernaussagen und finde den roten Faden meiner Präsentation/Geschichte. Dabei hilft mir ein Fragenkatalog:

  • Wer sind meine Zuhörer?
  • Welche Erwartungen haben Sie?
  • Was will ich meinen Zuhörern sagen?
  • Welches Ziel verfolge ich?
  • Meine Kernaussage ist... WARUM IST ES MIR WICHITG!?

Wie kann ich überprüfen, ob meine Kernaussage treffend ist? Mit dem Elevator Pitch. Kann ich die Kernaussage in 60 Sekunden logisch formulieren? Dann erst folgen die nächsten Schritte.

Klebezettel lassen sich schnell ergänzen oder entfernen

Klebezettel lassen sich schnell ergänzen oder entfernen

Im nächsten Schritt teile ich den Vortrag in Abschnitte ein. Ich entscheide mich für einen zeitlichen Ablauf mit Einstieg, Spannungsaufbau, Höhepunkt und Ausklang - wie im Bild unten.

Damit ist sichergestellt: Es gibt keine Aneinanderreihung von Folien, sondern es wird eine Geschichte erzählt.

Klare Regeln: 20 Folien à 20 Sekunden Redezeit pro Folie, spornen unsere Kreativität an.

 

 

 

 

Wenn Sie wollen, dass man Ihnen zuhört, erzählen Sie eine Geschichte.
— Edgar von Cossart (Drehbuchautor und Dozent)

Dritter Schritt: Mein analoges Storyboard

Orientiert am Ablauf meiner Dramaturgie, verteile ich meine vorsortierten Ideen. Fehlt mir etwas in der Struktur, dann ergänze ich es schnell und schreibe Ideen dazu. Umgekehrt kann ich überflüssige Zettel einfach entfernen. 

Garr Reynolds empfiehlt in seinem Buch „Zen oder die Kunst der Präsentation“ mit Leerfolien aus der Präsentationssoftware zu arbeiten. Diese können einem Präsentationsteil zugeordnet und mit Ideen versehen werden. Ausgebreitet auf einem Tisch erhält der Betrachter einen guten Überblick. Ich bevorzuge die Arbeit am Flipchart.

Vierter Schritt: Die ersten Skizzen erstellen

Letzter Schritt analog

Letzter Schritt analog

Im Pecha Kucha geht es darum, unsere Kreativität so zu lenken, dass wir uns auf wichtige Kernaussagen reduzieren können. Die Einschränkung 20 Folien à 20 Sekunden spornt uns zu Höchstleistung an. Diese zwanzig Folien habe ich bereits auf die Präsentation-Abschnitte verteilt. Nun beginne ich meine Ideen zu visualisieren, wie im Bild zu sehen ist.

Exkurs Geschichten:

Gute Geschichten schreibt das Leben. Reduzieren wir sie auf das Wesentliche, so finden wir einen Helden, den wir sympathisch finden, der ein Ziel verfolgt und dabei auf einen Konflikt stößt. 

Jemand will etwas unbedingt erreichen und hat Schwierigkeiten es zu bekommen.
— Edgar von Cossart (Drehbuchautor und Dozent)

Fünfter Schritt: Die Arbeit mit PowerPoint

Im letzten Schritt lege ich das Design für meine 20 Folien fest. Ich wähle eine gängige, gut lesbare Schrift und aussagekräftige Bilder aus, orientiert an meinem Storyboard.

Auf ein Corporate Design verzichte ich.

Ich beginne mit einer persönlichen Geschichte aus meinem Berufseinstieg; zeige auf warum Präsentationen in Folienschlachten ausarten können. Dann demonstriere ich typische Fehler an lustigen Beispielen und leite auf das Zeitalter der Informationsflut über. Die Grenze einer Präsentation ist die Wahrnehmung der Zuhörer und ich biete Pecha Kucha als Lösung für die gezielte Aufbereitung einer Kernbotschaft an...

Das ist meine Art, eine Präsentation zu erarbeiten. Wie sieht Ihre aus?

Quellen:

Inspiriert wurde ich vom Affenblog: „Warum du Blogartikel mit mindestens 1.000 Wörtern schreiben must“ von Vladislav Melnik

„Zen oder die Kunst der Präsentation“ von Garr Reynolds, deutsche Ausgabe 2013 dpunkt.verlag GmbH, Heidelberg

„Story Tells, Story Sells“ von Edgar v. Cossart, Lesedrehbuch Bergisch Gladbach 2014

Gudrun Traumann

Gudrun Traumann

Gudrun Traumann ist selbständige Trainerin für Verkaufs- und Kreativitätstechniken für Vertrieb, Marketing und PR und arbeitet als Coach und Consultant. Sie berät Unternehmer, Führungskräfte und Menschen im Vertrieb. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im Training mit nicht vertriebsaffinen Branchen wie Ingenieuren oder Steuerberatern. Kunden von Gudrun Traumann profitieren von ihrer langjährigen Berufserfahrung in den Bereichen Marketing, PR, Vertrieb und Mitarbeiterführung. Eine klare, strukturierte Arbeitsweise, Empathie für den Gegenüber und Trainings aus der Praxis zeichnen ihren Arbeitsstil aus. Folgen Sie Ihr auf XING oder LinkedIn.