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Was hat eine gute Präsentation mit einem Japanischen Steingarten gemeinsam?

Fifteen Rocks of Inspiration

 Foto Gudrun Traumann

Foto Gudrun Traumann

Mein Kunde klappt seinen Laptop auf und präsentiert seinen Vortrag für die nächste Mitarbeiterversammlung - aus vertriebstechnischer Sicht - so seine Worte.

Klare Gliederung, viele Überschriften, noch mehr Bullet Points, Grafiken, Zahlen, Daten und Fakten. Er ist begeistert – ich nicht.

Wie kann ich ihn überzeugen, seine Präsentation zu überarbeiten, ohne ihn zu belehren? Ich erzähle eine Geschichte aus meinem letzten Urlaub.

Bei meinem Besuch in Kyoto wollte ich unbedingt den Steingarten Ryōan-ji sehen. Hohe Luftfeuchtigkeit und 28°C im Schatten sowie eine lange U-Bahnfahrt konnten mich nicht abhalten.

Der Garten wurde inmitten eines Tempels angelegt und, wie üblich in Japan, bleiben die Schuhe am Eingang zurück. Auf Socken betrat ich das Gebäude. In einem Innenhof, inszeniert wie ein Bühnenbild, fand ich den Steingarten. Ich nahm Platz auf den Stufen, die zum Verweilen einluden.

1.     Perspektive

Aus welcher Position habe ich den besten Überblick auf den Garten? Während ich überlegte, stellte eine Gruppe von Besuchern, die hinter mir ankam, die Anzahl der Steine in Frage. Aus ihrer Perspektive konnten sie nicht alle Steine sehen. Die kleineren blieben hinter den großen verborgen. Ein Positionswechsel zeigt eine andere Perspektive auf. Spielen Sie vor Ihrer Präsentation mit der Perspektive: meine Sicht, die Sicht eines Dritten oder die Sicht des Zuhörers.

2.     Reduktion

Im Garten befanden sich nur Steine – große und kleine. Was ist der Inhalt Ihrer Präsentation? Reduzieren Sie auf das Wesentliche. Wenn alles wichtig ist, was ist dann wirklich wichtig?

3.     Anordnung

Die fünfzehn Steine sind in fünf Gruppen angeordnet. Wenn Sie viel zu sagen haben, fassen Sei Ihre Punkte nach Themen zusammen. Setzen Sie eine klare Anordnung mit Schwerpunkten.

4.     Ruhe

Nur Steine, keine Ablenkung (die Besuchergruppe war verschwunden). Eine klare Anordnung strahlt eine angenehme Ruhe aus. Übertragen auf das Design Ihrer Präsentation kann das heißen: schlichte Bilder und Grafiken mit einer deutlichen Botschaft.

5.     Einfachheit

Wie angenehm die Einfachheit des Gartens war. Unser tägliches Leben ist sehr komplex. Entfernen Sie die Komplexität aus Ihrer Präsentation, haben Sie Mut zur Selbstbeschränkung und Natürlichkeit. So bleibt Ihre Kernaussage haften.

6.     Führung der Gedanken

Der Garten ist an drei Seiten von Steinwänden umgeben. Der Blick kann nicht in die Ferne schweifen. Er folgt der Anordnung der Steine von einer Gruppe zur anderen und immer darauf bedacht, alle Steine zu erfassen. Führen Sie in klaren Schritten die Gedanken Ihrer Zuhörer zu Ihrem Ziel.

7.     Leerräume

Warum beschäftigt mich der Garten heute noch? Wieso habe ich die großen Steine und ihre Anordnung noch lebhaft in Erinnerung? Es sind die Leerräume, der Kies zwischen den Steinen, der die Steine wirken lässt. Geben Sie Ihren Ideen diese Leerräume. Lassen Sie markante Ideen und Bilder auf weißer Fläche wirken.

8.     Konzentration

Im Garten gab es keine grünen Pflanzen - nur Steine, keine Ablenkung. Ich schaue auf eine der Grafiken mit vielen Bildern und bunten Farben in dreidimensionaler Darstellung. Der Zuhörer verliert die Konzentration auf das, was die Grafik veranschaulichen soll. 

9.     Kontraste

Was fällt dem menschlichen Auge auf? Unterschiede! Im Garten sind es die großen und kleinen Steine, die ihm seine Energie geben. Welche Kontraste und Vorher-Nachher-Darstellungen setzen Sie ein, um Ihr Ziel zu erreichen?

10.  Analog

Bevor Sie eine Präsentation beginnen, schalten Sie Ihren Laptop aus. Arbeiten Sie analog mit Papier, Filzstiften und Moderationskarten. Programme für Präsentationen bieten eine Vielzahl von Effekten, die leider auch von den Inhalten ablenken können.

11.  Eine Geschichte erzählen

Verlassen Sie ausgetretene Pfade und präsentieren Sie Unerwartetes. Statt Folien aneinanderzureihen, erzählen Sie doch eine Geschichte aus Ihrem Unternehmen oder ein persönliches Erlebnis.

12.  Regeln

Japanische Steingärten werden nach Zen-Regeln angelegt. Regeln lassen unsere Kreativität zur Hochform auflaufen. Definieren Sie Ihre Regeln. Legen Sie fest, wie lange Sie sprechen möchten und wie viele Folien Sie präsentieren werden.

13.  Weniger ist mehr

Nutzen Sie die Chance bei Ihrem Vortrag mit Stimme und Blickkontakt auf Ihre Zuhörer zu wirken. Die Folien mit Bildern und Überschriften sind Ihre Kulisse.

14.  Aufregung

Aufgeregt? Dagegen helfen eine aufrechte Haltung und eine authentische Sprache.

15.  Ziel

Was soll sich der Zuhörer merken? Was ist Ihnen wichtig?

Wenn Sie eine wirkungsvolle Präsentation planen, dann rufen Sie mich an 0175 59 660 40 oder senden mir eine Mail. 

Gudrun Traumann ist Trainer für zielorientierte Kommunikation und hilft Menschen dabei, sich selbst und ihre Produkte in Szene zu setzen. Für alle, die auf dem internationalen Parkett unterwegs sind, biete sie bilinguale (Deutsch/Englisch) Präsentationsseminare in Zusammenarbeit mit Clive Davis (Trainer für professionelles Geschäftsenglisch) an.